“Idiotenfriedhof”

Ein Wort, das weh tut. Niemand will es mehr benutzen. Und niemand will es mehr benutzt wissen, hören oder lesen.

Man will nicht daran erinnert werden, dass man es früher wie selbstverständlich benutzt hat. Auch offiziell.

Man will nicht mehr daran erinnert werden, was vor nicht so langer Zeit mit den “Idioten” passierte. Wie (lebens-)gefährlich es war, auch nur in die Nähe des Verdachts zu geraten, “nicht so ganz beisammen” oder “gestört” zu sein. Ein Kind zu bekommen, mit dem “etwas nicht in Ordnung” war. Anders zu “ticken”, anders zu sein, anders zu denken. Wie schnell man Objekt wurde: ausgelacht, verachtet, gefürchtet, eingesperrt und aller Menschenrechte beraubt. Man möchte nicht daran erinnert werden, wie nah einem die Täter waren.

Wir haben unserem Mahnmal den Namen “Idiotenfriedhof” gegeben, weil wir die Erinnerung wach halten wollen. Nur wenn man erinnert und den Schmerz aushält, bleibt man wachsam für gefährliche Tendenzen in der Gegenwart.

Man will das Wort “Idiot” auch deshalb nicht mehr hören, weil es ein Schimpfwort geworden ist und von Verachtung und Diskriminierung zeugt. Das war es nicht immer so, „Idiot“ war der neutrale medizinische Fachbegriff für “geistig Behinderte/r”. Diese Bezeichnung wiederum hat eine ähnliche Entwicklung durchgemacht: “Behindert” wurde ebenfalls zum Schimpfwort. Inzwischen ist auch dieses Wort nicht mehr politisch korrekt. Heute sagt man z.B.: “Kinder mit besonderem Förderbedarf”. Solche sprachlichen Verschiebungen werden sich so lange wiederholen, wie es Diskriminierung gibt. So lange, bis jedem klar geworden ist, dass Ausgrenzung alle beschädigt, auch einen selbst. Der Name unseres Projekts soll Bewusstsein und Gespür wecken für diese Zusammenhänge von Sprache und Einstellungen.

Das Wort „Idiotenfriedhof“ hat etwas Provozierendes. Menschen, besonders auch die, die in der Klinik leben und arbeiten, könnten, wenn sie es lesen oder hören, befürchten, dass da jemand wieder ausgrenzen und verachten will.

Wenn Sie sich provoziert fühlen oder das Wort Sie stört, bitte nehmen Sie mit uns Kontakt auf. Wir von Kunst in der Klinik e.V. möchten mit Ihnen ins Gespräch kommen. Besuchen Sie unsere Webseite, rufen Sie uns an, schreiben Sie uns, schreiben Sie einen Kommentar auf facebook oder in unseren Blog.

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